Verein International feiert 30-jähriges Bestehen – Fortbestehen des Sprachcafés gefährdet

Von Raphael Steffen

Bünde (BZ). Der Verein International feiert sein 30-jähriges Bestehen mit einem bunten Fest. Zugleich ist die Zukunft des von ihm betriebenen Café International offen – das Jugendheim Ennigloh soll zu einer Kita umfunktioniert werden. Der Verein fordert für den Umzug Unterstützung von der Stadt. 

Grundsätzlich sei man mit der evangelischen Lydia-Gemeinde übereingekommen, in Zukunft das Dietrich-Bonhoeffer-Haus als Treffpunkt zu nutzen, so Ute Fröhlich vom Café. Die Mietkosten würden 860 Euro betragen: »Der Verein International ist nicht in der Lage, aus Eigenmitteln diese Kosten zu übernehmen.« Daher stelle man zur nächsten Sitzung des Ausschusses für Generationen und Soziales am 20. November einen Antrag zur Bestreitung der Miete durch die Stadt. 

»Wir leisten schon seit 30 Jahren Hilfe für Migranten und Menschen in Not«, sagt Fröhlich anlässlich der Geburtstagsfeier am Donnerstagnachmittag. Der Verein wurde 1987 auf Betreiben der Stadt gegründet und hat gegenwärtig 45 Mitglieder. Der Flüchtlingszuzug in den Jahren 2014/15 sei eine große Herausforderung für Deutschland gewesen – »für die Profis und für uns Ehrenamtliche.« Daraufhin riefen Fröhlich und Martine Prokob das Café International ins Leben. Seit drei Jahren treffen sich bis zu 60 Einwanderer, oft ganze Familien, jeden Donnerstag zwischen 14 und 17 Uhr im Jugendheim. »Jede Woche kommen Menschen, die besondere Anliegen haben«, erzählt Prokob. Ob Behördengänge, die Suche nach Praktikumsplätzen oder Computerkurse: Im Café leistet man Hilfe zur Selbsthilfe. 25 Betreuer kümmern sich um die Sorgen der Flüchtlinge, teils sind Sprachlehrer engagiert. 

Fröhlich: »Bislang haben wir 70000 Euro an Spenden und Fördergeldern in Sprachkurse gesteckt. Ohne die deutsche Sprache hat man in Deutschland keine Chance. Sie ist eine Voraussetzung für Integration.« Das Café werde als Basis für Treffen von Deutschen und Migranten verstanden: »Das friedliche Zusammenleben in Bünde ist uns ein Herzensanliegen.« 

Zur Feier des Tages haben alle Gäste ein Buffet zusammengestellt, ein Marionettentheater spielt auf, später tritt eine syrische Dreier-Kombo mit Geige, Trommel und dem traditionellen Oud auf. Kinder singen deutsche Lieder. Und zur Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit überreichen drei Mitarbeiter der Firma Egger eine Spende von 2000 Euro an die Vereinsverantwortlichen. Das Geld stammt aus der gemeinnützigen Aktion »Egger läuft«.

 

 

PSD-Bürgerpreis: Die Nachbarschaft Paderborn-Ost und der Verein Kultur in Scherfede erhalten jeweils 5.000 Euro für ihre Projekte zum Thema "Kompetent und fair in der digitalen Welt"

Münster. Die Preisträger für das diesjährige PSD-Bürgerprojekt "Kompetent und fair in der ditalen Welt" stehen fest. Unter den Siegern sind sieben Projekte aus Ostwestfalen-Lippe, die in Münster das Preisgeld von Norbert Kerkhoff, Vorstandsmitglied der PSD-Bank Westfalen-Lippe, entgegennehmen konnten.


Über eine Fördersumme von je 5.000 Euro dürfen sich die Nachbarschaft Paderborn-Ost und der Verein Kultur in Scherfede freuen. Die Nachbarschaft Ost möchte mit ihrem Projekt "JAN- Jung und alt im Netz" durch Jugendliche älteren, technisch nicht so versierten Bewohner/-innen den Einsatz Neuer Medien und des Internets näherbringen. Dazu sollen PC und Tablets angeschafft werden und ein Raum mit passendem Mobiliar für eine gute Lernatmosphäre ausgestattet werden. Kultur in Scherfede entwickelt unter dem Slogan "digitale Nützlinge" digitale Werkzeuge, die speziell für Kulturveranstalter in Ostwestfalen-Lippe nützlich sind und den Kulturmachern bei der Arbeit an ihren Projekten helfen.


Eine Fördersumme von je 3.000 Euro erhielten Femina Vita Mädchenhaus Herford, Haus Neuland in Bielefeld und das Diakonische Werk im Evangelischen Kirchenkreis Herford. Das Herforder Mädchenhaus erhält das Preisgeld für das Projekt "Mädchen und Medien(power)", ein Projekt zur präventiven Medienarbeit mit Mädchen und Frauen zum Thema Cybermobbing. Haus Neuland widmet sich mit dem Modellprojekt "JuMP - Jugend, Medien, Partizipation" intensiv dem Themenfeld Partizipation, die besonders auch über digitale Medien und soziale Netzwerke stattfinden kann. Das Diakonische Werk will unter dem Motto "Handystreit? Kenne ich nicht" in Schulveranstaltungen Kindern den Umgang mit dem Handy erleichtern.


Mit einem Preisgeld von 2.000 Euro werden der Verein Digitalcourage aus Bielefeld und der Verein International Bünde gefördert. Digitalcourage hat den Blog Kidsdigitalgenial.de mit Tipps im Umgang mit Medien bereitgestellt. Neben Hinweisen zu möglichen Gefahren im Netz, Datenschutzlücken, Gesetzesänderungen und aktuellen medienpädagogischen Themen bietet ein Lexikon mit rund 150 Einträgen die Möglichkeit, Begriffe, Zusammenhänge und Hintergründe im Bereich der Mediennutzung besser zu verstehen.


Der Verein International Bünde führt Deutschkurse für Geflüchtete durch. Um den Teilnehmenden eine Vertiefung des Lernstoffs außerhalb des regulären Unterrichts und die Kommunikation mit Angehörigen in den Herkunftsländern zu ermöglichen, wurden sechs gebrauchte Laptops beschafft, die den Kursteilnehmern gegen ein geringes Entgelt zur Verfügung gestellt wurden.

 

PSD-Bürgerprojekt 2017: Der Verein International in Bünde organisiert Deutschkurse. Gebrauchte Laptops helfen bei der Vertiefung des Lernstoffes. Die Geräte helfen aber auch bei der Kommunikation mit der zurückgelassenen Familie. 

Von Dirk-Ulrich Brüggemann 

Bünde. Medienkompetenz für Flüchtlinge vermittelt der Verein International in Bünde. Mit dem Motto „Erste Schritte mit dem Laptop“ hat er sich beim PSD-Bürgerprojekt beworben und die Finalrunde erreicht. 

Damit ist dem Verein eine Fördersumme von 1.000 Euro erst einmal sicher. Der Förderwettbewerb der PSD-Bank steht in diesem Jahr unter dem Motto „Kompetent und fair in eine digitale Welt“. Insgesamt sind Förderpreise in Höhe von 50.000 Euro ausgeschrieben. 

Der Verein ist von der Jury für die Finalrunde nominiert worden. Am 11. Oktober entscheidet eine fachkundige Jury über die Vergabe weiterer Fördermittel und die Auszeichnung eines oder mehrerer Leuchtturmprojekte. 

Die Vereinsmitglieder bieten für Geflüchtete unter anderem Deutschkurse an. Zwei Studierende der Universität Bielefeld sind vom Verein als Lehrkräfte eingesetzt. Sie unterrichten das Fach Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache. Die Kurse schließen mit dem Sprachniveau A2 oder B1 ab. Damit die Teilnehmer den Lernstoff auch außerhalb des regulären Unterrichts vertiefen können und um die Kommunikation zu den Angehörigen in den Herkunftsländern zu ermöglichen, wurden sechs gebrauchte Laptops angeschafft. Diese Geräte können die Geflüchteten gegen ein geringes Entgelt ausleihen. 

In weiteren zusätzlichen Workshops können weitere Anwendungsbereiche der digitalen Nutzung erschlossen werden. Dabei will der Verein die Gefahren und Risiken im Internet in den Blick nehmen, die sich für den Verbraucher stellen. Die Flüchtlinge sollen so ihre Lern- und Kommunikationsmöglichkeiten erweitern und ihre individuelle Qualifikation für eine spätere schulische oder berufliche Verwendung verbessern. 

Der Verein International Bünde besteht seit 1987 und hat derzeit 45 Mitglieder. Wichtig für den Verein ist der Gedanke der Selbstorganisation und Selbsthilfe sowie die Schaffung von Begegnungsmöglichkeiten von Deutschen und Migranten, zum Beispiel durch gemeinsame Feste, Radtouren und Ausflüge. Der Verein will grundsätzlich ein respektvolles Zusammenleben sowie persönliche Freundschaften zwischen deutschen und ausländischen Inländern fördern.

 

Café International besteht sei drei Jahren, der Trägerverein seit drei Jahrzehnten

Bünde(BZ). Wenn das kein Grund zu feiern ist: Seit drei Jahren gibt es das Café International, den Verein International bereits seit drei Jahrzehnten. Der doppelte Geburtstag soll am Donnerstag, 9. November, von 15 Uhr bis 18 Uhr im Jugendheim im Dustholz gefeiert werden. Interessierte Gäste sind willkommen.

Seit November 2014 betreibt der Verein International mit einem großen Helferteam aus Bünder Bürgerinnen und Bürgern jeden Donnerstagnachmittag das Café International im Jugendheim Ennigloh. Der Verein International, der seit 30 Jahren Migranten in all ihren Belangen unterstützt, bot die Grundlagen und die räumlichen Möglichkeiten für ein solches Begegnungszentrum

Viele Geflüchtete werden regelmäßig bewirtet und betreut. Sie nutzen die Gelegenheit, sich mit anderen Menschen auszutauschen und bekommen Hilfe bei ihren alltäglichen Problemen.

Ein besonderes Anliegen des Vereins International ist das Erlernen der deutschen Sprache. Aus Spenden bezahlte Lehrkräfte haben in vielen Kursen fast 160 geflüchtete Menschen unterrichtet und diese haben mit Zertifikaten die Lernstufen A1, A2, B1 und B2 abgeschlossen. Mit dem Niveau B2 kann eine berufliche Ausbildung begonnen werden.

In den vergangenen drei Jahren wurden viele Ausflüge gemacht. Ziele waren etwa das Hermannsdenkmal in Detmold und die Mindener Schachtschleuse. Aber auch gemeinsame Veranstaltungen wie Konzert- und Museumsbesuche und Radtouren standen auf dem Programm. Das Kennenlernen der Bünder Bücherei war ein nachhaltiges Erlebnis. Auch Schwimm- und Verkehrskurse wurden durchgeführt. Viele gebrauchte Fahrräder wurden gegen ein geringes Entgelt abgegeben und eine Reparaturmöglichkeit geschaffen. Durch die gewonnene Bewegungsfreiheit nehmen viele Flüchtlinge an Veranstaltungen von Sportvereinen und anderen Organisationen teil.

Viele Institutionen und Bürger haben den Verein und das Café International tatkräftig und finanziell unterstützt. Besonders hervorzuheben sind die katholische Kirche mit Ulrich Martinschledde durch die Übernahme der Verpflegungskosten des Cafés und die Lydia-Gemeinde, die im Dietrich-Bonhoeffer-Haus Schulungsräume für den Deutschunterricht bereitstellte. Das Rote Kreuz übernahm regelmäßig den Fahrdienst von und zu den Unterkünften.

 

Verein International sucht neue Räume und hofft auf Unterstützung

 



Von Hilko Raske

Bünde(BZ). Ein Sprachcafé für Flüchtlinge, Hilfe bei Alltagsproblemen – der Verein International bietet eine umfassende sozialberaterische Hilfe für Menschen mit Fluchthintergrund. Und ist sich sicher, damit auch den sozialen Frieden in Bünde zu bewahren. Nun sucht der Verein neue Räume. 

Seit einigen Jahren ist der Verein im Jugendheim Ennigloh aktiv. Doch das hat bald ein Ende. In die Räumlichkeiten soll eine Kindertagesstätte einziehen. Spätestens zum Jahresende muss der Verein das Gebäude verlassen haben. Bislang konnte er hier ein Büro, einen Abstellraum und – jeweils donnerstags – den großen Aufenthaltsraum nutzen. 

Bereits vor Wochen hat man deshalb das Gespräch mit dem Evangelischen Kirchenkreis und der Lydia-Gemeinde gesucht. Immerhin hat die evangelische Kirche im Stadtzentrum eine Immobilie, die faktisch so gut wie gar nicht genutzt wird: der ehemalige CVJM-Jugendtrakt gleich neben dem Bonhoeffer-Haus. »Dort finden schon unsere Deutschkurse für Flüchtlinge statt«, informiert Ulrich Papke, Mitglied im Vereinsvorstand. Von der Kirchengemeinde sei ihm signalisiert worden, dass generell keine Bedenken bei der Nutzung des Gebäudetrakts durch den Verein International existieren würden. »Schließlich ist unsere Arbeit durchaus mit dem diakonischen Wirken der evangelischen Kirche vergleichbar«, sagt Papke. Allerdings sieht er ein Problem – und das sind die Nebenkosten, die entstehen, wenn der Verein die Räume künftig regelmäßig nutzt. Im Jugendheim Dustholz, das sich im Besitz der Kommunalbetriebe befindet, habe die Stadt selber diese Kosten übernommen. »Da wir durch die Entscheidung der Stadt, hier eine Kindertagesstätte einzurichten, demnächst ohne Räume sind, gehen wir davon aus, dass sie für uns auch anfallende Betriebs- und mögliche Mietkosten übernehmen wird.« Der Verein hoffe hier auf eine zeitnahe und positive Entscheidung der zuständigen politischen Gremien. 

Das Sprachcafé sei weitaus mehr als nur eine Stätte der Bewirtung, betont Ute Fröhlich vom Vereinsvorstand, die diese Einrichtung gemeinsam mit Martine Prokop ins Leben gerufen hat. »Es ist zu einer Stätte der Begegnung und der Beratung geworden.« Es habe sich in den vergangenen Jahren dynamisch entwickelt. So werde Hilfe bei Behörden- oder Arztbesuchen geboten, gebe es in Zusammenarbeit mit der Polizei Fahrrad- und Verkehrsunterricht und natürlich die Möglichkeit, den Umgang mit der Sprache zu verbessern. Allein für die Sprachkurse, die der Verein anbiete, habe man teilweise bis zu 35 000 Euro im Jahr aufbringen müssen – »wir sind dabei von Stiftungen, aber auch von Privatpersonen finanziell unterstützt worden.« Der Verein biete auch den rechtlichen Rahmen und eine Plattform für externe Berater. »Inzwischen ist das Café International zu einem sozialberaterischen Projekt geworden, das alle Lebensbereiche für Neuankömmlinge erfasst.« 

Am 4. November will der Verein das dreijährige Bestehen des Sprachcafés feiern – und kann dann gleichzeitig auf ein 30-jähriges Bestehen zurückschauen.