Vom Café International zum Sprachcafé

 

Der Verein International unterhält seit 2014 ein Café International als Treffpunkt und Begegnungsstätte für Flüchtlinge und einheimische Bürgerinnen und Bürger. Geöffnet ist das Café einmal pro Woche am Donnerstagnachmittag. Standort war das Jugendheim im Stadtteil Ennigloh.

 Da das Gebäude künftig zu einer Kindertagesstätte umgebaut werden soll, musste das Café im März 2018 umziehen und fand im Dietrich-Bonhoeffer-Haus der ev. Lydia-Kirchengemeinde in der Innenstadt eine neue Heimstätte. Verändert hat sich inzwischen auch der Charakter der Arbeit im Café. Ging es bei der Gründung vor allem um das gegenseitige Kennenlernen, stehen heute vor allem Beratungsgespräche über Alltagssorgen der Flüchtlinge im Vordergrund. Im August 2018 wurde eine schriftliche Befragung unter den Gästen des Café durchgeführt, an der sich über 30 Personen beteiligten. Diese zeigte mit großer Mehrheit den Wunsch der Flüchtlinge nach Übungen der deutschen Sprache, um eine bessere Verständigung im Alltag zu erreichen.Das Café International änderte folgerichtig seine Bezeichnung in Sprachcafé.

Wie alles anfing

Am 14. November 2014 wurde das Café International als Begegnungsstätte für Flüchtlinge untereinander und mit Bünder Bürgern eröffnet. Vorher musste ein Helferteam gefunden werden, das auf ehrenamtlicher Basis bereit ist, regelmäßig jeden Donnerstagnachmittag von 13 bis 18 Uhr diese Begegnungsstätte zu betreiben. 

Zuerst erstellten wir einen Flyer mit Hinweisen auf das Café International im Jugendheim Ennigloh auf den Donnerstag und die Uhrzeit. Alles andere mit Symbolen Dann fuhren Martine Prokob und Ute Fröhlich in die Unterkünfte. Mit Zeichensprache, auf Französisch oder Englisch und mit Händen und Füßen haben wir die Menschen eingeladen. Den Familien mit kleinen Kindern haben wir angeboten, sie mit dem Auto abzuholen, da die Unterkünfte teilweise mehr als 5 km entfernt sind.

 Es war nicht absehbar, ob das Café angenommen wird und ob sich immer ausreichend zuverlässige Helfer zur Verfügung stellen. Diese Sorgen haben sich als grundlos erwiesen:
Ca. 50 bis 60 Personen, darunter viele Familien mit kleinen Kindern, besuchen das
Café International regelmäßig. Für die Familien ist ein Fahrdienst eingerichtet.
Ein großer Helferkreis von etwa 25 Personen, aber auch Schulen und verschiedene Institutionen unterstützen diese Arbeit tatkräftig. Die deutschen Helfer des Cafés International sind glücklich darüber, dass sie den heimatlosen Menschen einen sorglosen Donnerstagnachmittag im Jugendheim Ennigloh und heute im Bonhoefferhaus bereiten können.

Bei schönem Wetter finden viele Aktivitäten auch vor dem Haus statt. Den Kindern stehen gespendete Kinderfahrräder und Roller zu Verfügung, die Männer spielen mit den Jugendlichen Fußball. Freizeitaktivitäten wie Federball, Hula-Hoop, Basteln, Malen sind sehr beliebt. Und die deutsche Sprache wird trainiert!.

Viele Flüchtlingsfamilien mit kleinen Kindern leben zurzeit in Bünde, aber die überwiegende Zahl sind einzelne Männer, die sich allein auf den gefährlichen Weg nach Europa und Deutschland gemacht haben. Viele Familien syrischer Flüchtlinge leben zum Teil unter katastrophalen Umständen in den Flüchtlingslagern der Türkei, des Libanons oder im Norden Iraks. Die einzige Verbindung besteht über das Mobiltelefon. Durch das Vorrücken des IS fürchten sie um das Leben ihrer Lieben.  

Vermittlung von Praktikumsstellen

Da die Flüchtlinge in der Regel nicht arbeiten dürfen, haben sie keine Ablenkung und beschäftigen sich in Gedanken dauernd mit der Situation in ihren Heimatländern und ihren Familien.Um ihnen eine Beschäftigung zu verschaffen, bemühen wir uns um Praktikumsstellen in Firmen und Betrieben. Aus den Kontakten zu den Flüchtlingen ergeben sich viele notwendige Hilfeleistungen, wie zum Beispiel: Deutschunterricht. Zu Beginn boten etwa 10 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer zweimal wöchentlich Deutschunterricht an. Dabei wurden in kleinen Gruppen ca. 20 Personen auf allen Niveaus betreut. Inzwischen wird der Unterricht von einem ehemaligen Lehrer und zwei Studentinnen der Uni Bielefeld professionell angeboten. Im Jahr 2016 waren es rund 80 Sprachschülerinnen und -schüler in vier Kursen.

Auch Kontakte und Begleitung zu Kitas und Schulen sind notwendig, so werden wir von den Lehrern über Schwierigkeiten oder Krankheiten, wie z.B. die Notwendigkeit einer Brille informiert und können die Optiker zu Spenden bewegen. Begleitungen zu Institutionen, Hilfe bei Behörden, wie Ausländerbehörde oder Jobcenter in Herford oder Bielefeld, Fahrten zu Wohnungsbesichtigungen werden ehrenamtlich durchgeführt. Besonders notwendig war die Vermittlung und Versorgung von Schwangeren durch eine Hebamme, Erstversorgung der Neugeborenen, Ausstattung mit Kinderbett und –wagen sowie Kleidung. Geschwisterkinder bei Alleinerziehenden werden während des Klinikaufenthaltes untergebracht und versorgt. Wegen der Sprachschwierigkeiten und mangelnder Kenntnisse werden wir oft gebeten, Flüchtlinge bei Arztbesuchen zu begleiten.

Fahrräder sorgen für Mobilität

Wegen der großen Entfernungen und schlechten Verbindungen im öffentlichen Nahverkehr war die Anschaffung von Fahrrädern notwendig. Nach einem Spendenaufruf haben wir über 30 Fahrräder erhalten, teilweise repariert und verteilt. Viele Syrer mussten erst Fahrrad fahren lernen. Ein Workshop zum Reparieren von Fahrrädern ist eingerichtet. Ab Juni 2017 steht ein gebrauchter Container zur Verfügung, der als provisorische Fahrradwerkstatt genutzt wird. Durch die gewonnene Beweglichkeit nehmen die Flüchtlinge an Veranstaltungen von Sportvereinen und anderen Institutionen teil. Einer Frau aus Bangladesch haben wir eine Nähmaschine organisiert, sie näht für ihre Familie und für Freunde.

Sechs Monate Café International haben wir mit einem Frühlingsfest gefeiert. Fast 200 Personen sind gekommen. Freunde und Bekannte, auch aus den Nachbarkommunen, wurden mitgebracht. Viele Attraktionen wurden geboten, etwas ganz Besonderes waren die Wünsche der Flüchtlinge, die auf Karten geschrieben, an Luftballons gehängt, in den Himmel stiegen.

Da sich die Flüchtlingssituation aller Wahrscheinlichkeit nach in absehbarer Zukunft nicht verbessert, soll die ehrenamtliche Arbeit zum Wohle hilfsbedürftiger Menschen fortgesetzt werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

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